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Stressprävention im Unternehmen: Interview mit Dr. Manfred Oetting

05. Dezember 2016

Dr. Manfred Oetting ist Diplom-Psychologe und Teil des interdisziplinären Beirats von EXPARO. Für die digitale Gesundheitswelt EXPARO hat er das 10-Wochen-Trainingsprogramm, den StressCoach, entwickelt.

Was macht den EXPARO StressCoach so besonders?

Anders als andere Anti-Stress-Programme ist der StressCoach von EXPARO hochindividuell. Wir haben sichergestellt, dass jeder Teilnehmer sein persönliches Lernprogramm erhält, das heißt es ist auf die individuelle Situation und das persönliche Stressempfinden eines jeden Einzelnen abgestimmt. Aus der persönlichen Erfahrung wissen wir, dass das, was den einen unter Stress setzt, den anderen kalt lässt – das Stressempfinden ist etwas sehr persönliches und individuelles. Um die gewünscht Wirkung zu entfalten, muss auch das Trainingsprogramm individuell sein. Im StressCoach gibt es deshalb über 50 Programmkurse, von denen jeder Teilnehmer die zwölf erhält, die genau zu seiner Situation und vor allem zu seinem Stressprofil passen.

Für wen ist der StressCoach von EXPARO geeignet?

Heute sind die Belastungen so hoch und die Tätigkeiten so anspruchsvoll, dass jeder, der berufstätig ist, überlegen muss, wie er damit zurecht kommt, solch hohen Belastungen ausgesetzt zu sein. Wir haben das Programm für Menschen konzipiert, die unter einer starken psychischen Belastung stehen. Eine solche Belastung kann natürlich ganz unterschiedlich verlaufen. Bei dem einen baut sie sich über Jahre hinweg auf, bei dem anderen bricht das Kartenhaus mit einem Mal zusammen. Deshalb ist es wichtig, Stress rechtzeitig anzugehen und keine Scheu davor zu haben, ein Programm wie den StressCoach zu nutzen. Wer kurz vor dem Burnout steht, dem kann der StressCoach wahrscheinlich nicht unmittelbar helfen. In einem solchen Fall hilft nur noch eine therapeutische Behandlung.

Wie schätzen Sie die derzeitige Rolle von Unternehmen in der Stressprävention ein?

Viele große Unternehmen haben ihre Rolle in der Stressprävention mittlerweile erkannt und wissen, dass sie ihre Mitarbeiter unterstützen müssen – gerade in Hinblick auf die Anstrengungen, die sie ihren Mitarbeitern zumuten. Sie bieten beispielsweise Seminare an. Andere Unternehmen kümmern sich überhaupt nicht und bedienen sich eher einer Hire-and-Fire-Mentalität.

Für den Einzelnen ist es jedoch schwierig, alleine etwas für die eigene Stressprävention zu tun. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern deshalb geeignete Instrumente an die Hand geben, die einen einfachen Zugang zum Thema ermöglichen. Genau das tut der von mir entwickelte StressCoach von EXPARO: Das Programm kann überall und zu jeder Tageszeit genutzt werden und ist – ganz wichtig – anonym. Die meisten Arbeitnehmer fürchten, dass es ihrem Ruf schadet, wenn Sie starke Belastungen, die in Stress resultieren können, eingestehen. Der StressCoach kann deshalb abseits von Kollegen und Vorgesetzten durchgeführt werden.

Was sind die größten Fehler, die Unternehmen in der Stressprävention machen?

Der wichtigste Faktor ist das Thema Führung. Wenn Sie eine Führungskraft haben, die sich bei allen Leistungsanforderungen unterstützend verhält, ist schon viel gewonnen. Leider gibt es aber immer noch viel zu viele schwarze Schafe, die viel Druck machen und wenig Empathie gegenüber dem Mitarbeiter zeigen.

Ein weiteres Problem sind die Unmassen an E-Mails, die Arbeitnehmer heute bearbeiten müssen und die die Arbeit in einer Tour unterbrechen. Viele nehmen sich schon einen Tag, um zu Hause zu arbeiten oder sie kommen sehr, sehr früh oder bleiben bis sehr spät abends, um endlich mal in Ruhe arbeiten zu können. Das schlimmste ist, eine E-Mail von Anfang bis Ende zu lesen und dann zu merken, dass sie überhaupt nicht relevant für einen ist. Dabei geht Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit verloren. In manchen Unternehmen wird deshalb schon ein E-Mail-Kodex eingeführt, in dem dann zum Beispiel festgelegt wird, dass das „in Kopie nehmen“ sparsam verwendet wird. Als Mitarbeiter kann man ja leider nicht sagen: „Ich schaue mir keine E-Mails mehr an“. Die Sorge, dass man irgendetwas Wichtiges verpasst, ist ständig präsent.
Auch beim Besprechungsmanagement könnte sehr viel mehr Zeit gespart werden, wenn es beispielsweise strukturierter ablaufen würde.

Vor welchen Hürden stehen Unternehmen in der Stressprävention?

Eine große Hürde ist, wie schon zuvor erwähnt, die Anonymität. Psychische Belastungen sind nicht unbedingt etwas, das man mit seinen Kollegen oder Vorgesetzten besprechen möchte. Mit EXPARO haben die Mitarbeiter einen geschützten Raum. Bei einer Teilnahme an Seminaren ist das nicht möglich. Eine weitere Hürde ist die verlorene Arbeitszeit, die bei Seminaren unfreiwillig entsteht. Ein Mitarbeiter, der in einem fünftägigen Stressseminar ist, fällt selbstverständlich auch fünf Tage im Unternehmen aus. Bei dem Aufgabendruck heutzutage, überlegt man es sich dreimal, ob man die Mitarbeiter für solch ein Seminar abzieht. Der StressCoach hält diese Hürde niedrig, denn das Programm kann abends, am Wochenende oder sogar während der Arbeitszeit – je nach Arbeitgeber – durchlaufen werden. Die Übungen können genau dann gemacht werden, wenn es zeitlich passt.

Was könnten Unternehmen besser machen?

Unternehmen haben die Möglichkeit, die Beanspruchung der Mitarbeiter im Betrieb zu messen. Dafür gibt es Fragebögen, Werkzeuge und Methoden, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung gestellt werden. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, wäre das ein erster wichtiger Schritt. Idealerweise beauftragen Unternehmen einen Psychologen oder Mediziner im Haus oder aber auch einen externen Begutachter, der die Belastungs- und Beanspruchungsmessung durchführt. So bekommt das Unternehmen einen Überblick, wie die Belastung ihrer Mitarbeiter überhaupt aussieht.

Wichtig ist auch, dass die Personaler geschult werden. Das beginnt ganz oben beim Vorstand, der für das Problem sensibilisiert werden muss. Die Mitarbeiter aus der Personalabteilung müssen gerade in punkto Gesprächsführung geschult werden. Erst wenn der Mitarbeiter Vertrauen fasst und sich zu bestehenden Problemen äußert, können adäquate Maßnahmen eingeführt werden. Die richtige Gesprächsführung ist dafür sehr wichtig, fehlt aber leider bei vielen Personalern.

 

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Über EXPARO
Mit der digitalen Gesundheitswelt EXPARO (www.exparo.de) bietet WeCARE deutschen Unternehmen erstmals eine komplette digitale Unterstützung für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) an. Über eine Online-Plattform haben alle Mitarbeiter einer Firma jederzeit Zugriff auf multimediale Gesundheitskurse, digitale Expertensysteme und Präventionsprogramme zu den wichtigsten Gesundheitsrisiken. Darüber hinaus ist ein Austausch mit Kollegen und Experten in Motivationsgruppen möglich. EXPARO bietet aber auch eine komplett anonyme Beratung durch Experten. Das digitale Angebot ist für alle Mitarbeiter standortunabhängig auch von mobilen Endgeräten aus zugänglich. Die Kosten betragen dabei nur einen Bruchteil der Investition in vergleichbare traditionelle Gesundheitsangebote und werden vom Arbeitgeber getragen. Die Beteiligung der Georg Thieme Verlag KG, dem marktführenden Anbieter für medizinische Fachinformation, bietet WeCARE eine stabile Basis für den weiteren Ausbau des Angebots im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

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